„Vagabond“ von Gerald Seymour

Es gibt ihn also doch noch – Gerald Seymour, in seiner englischen Heimat hoch geschätzt als Autor intelligenter Politthriller, in Deutschland fast ein Geheimtipp. Zwangsläufig. Denn fast zwanzig Jahre lang ist hierzulande von ihm kein neuer Roman erschienen, erst jetzt liegt mit “Vagabond” wieder ein Thriller des gelernten Journalisten auf deutsch vor. Es ist nur schwer nachvollziehbar, warum nach so langer Zeit erst Thomas Wörtche mit der verdienstvollen Krimireihe bei Suhrkamp kommen musste, bis ein produktiver Autor wieder entdeckt wird, der in mittlerweile 40 Romanen das Wechselspiel aus Geheimdienst-operationen, Waffenhandel, Terror, Desinformation, organisiertem Verbrechen und Verrat zu so spannenden, prall gefüllten  Geschichten verarbeitet wie kaum ein anderer. Und sich dabei immer dicht an den politischen Brandherden rund um den Globus bewegt.
Die blutigen Auseinandersetzungen in Irland bildeten 1975 die Kulisse für seinen Erstling “Das tödliche Patt”. Mit “Vagabond” kehrt er jetzt (wieder einmal) nach Irland zurück. Vagabond, das war Danny Curnows Deckname bei seinen Einsätzen als Agent des britischen Geheimdienstes gegen die IRA. Bis er ausgebrannt den Dienst quittiert, sich zurückzieht in die Normandie und als Touristenführer Besuchern die Schlachtfelder und Soldatenfriedhöfe zeigt. Aber seine ehemaligen Chefs lassen ihn nicht in Ruhe, tauchen nach Jahren auf und machen Curnow ein Angebot, das er nicht ablehnen kann. Vagabond wird reaktiviert, soll ein letztes Mal für den englischen Auslandsgeheimdienst eine Operation zum gewünschten Ende bringen. Ein vom MI5 in eine der letzten IRA-Splittergruppen eingeschleuster Informant hat ein Waffengeschäft mit einem ehemaligen Offizier des russischen Geheimdienstes, der mittlerweile in Karlsbad residiert, angebahnt. Vagbond soll sicherstellen, dass die Waffen am Ende nicht in irische Hände gelangen. Das zumindest hat ihm sein Führungsoffizier als Aufgabe mit auf den Weg gegeben. Es war nicht ganz die  Wahrheit.

Gerald Seymour: Vagabond, 499 Seiten, Suhrkamp

Roland Heinrich, Leser

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