„Operation Rubikon“ von Andreas Pflüger

In Polen werden zwei italienische Mafiabosse erschossen, die ein Waffengeschäft mit einem russischen Händler abwickeln. Nah am Geschehen: zwei verdeckte Ermittler des Bundeskriminalamtes, einem neuen Kartell auf der Spur, das den internationalen Waffen- und Drogenmarkt beherrschen will. In Bremerhaven, wo das Schiff auf die Waffenlieferung an ein südamerikanische Drogenkartell wartet, läuft ein geheimer BKA-Einsatz völlig aus dem Ruder. Der Waffencontainer explodiert, unter den Toten auch ein BKA-Agent. Auf dem Frankfurter Flughafen wird ein unfreiwilliger Informant des Bundeskriminalamtes erschossen.
Für BKA-Präsident Richard Wolf besteht kein Zweifel: In seiner Organisation muss es einen Maulwurf geben. Wolf reagiert, entschließt sich zu einem riskanten Schritt:  Er bildet eine kleine, aus vier Personen bestehende Gruppe. Mit dabei: Staatsanwältin Sophie Wolf, vom Generalbundesanwalt zu Ermittlungszwecken nach Wiesbaden abgestellt, Richard Wolfs Tochter, zu der er seit ihrer Kindheit keinen Kontakt mehr hat.
Der geschichtsträchtige Name der Operation ist  kein Zufall. Als Caesar vor über 2000 Jahren den Rubikon, den kleinen Grenzfluss bei Ravenna, überschritt, stellte er sich damit eindeutig gegen den römischen Senat, der ihn aufgefordert hatte, die Waffen niederzulegen. Caesar marschierte stattdessen gen Rom. Auch die Operation Rubikon hat die politische Führung im Blick. Die Situation ist heikel, die Spurenlage aber eindeutig: Der Maulwurf sitzt in der Regierung, in jenem Ministerium, das für das BKA zuständig ist.

“Operation Rubikon” ist ein spannender, voluminöser deutscher Politithriller, mit allen Zutaten des Genres: Intrigen, Erpressung, Verrat und Mord im Politik- und Geheimdienstmilieu. Fünf Jahre hat Andreas Pflüger nach eigenem Bekunden für seinen 800-Seiten-Roman recherchiert. Zu seinen Quellen gehörte auch Hans Ludwig Zachert, sechs Jahre, von 1990 bis 1996, Präsident des Bundeskriminalamtes, dem sich Pflüger zu großem Dank verpflichtet fühlt. Verständlicherweise. Soviel Insiderwissen über die deutschen Dienste und organisierte Kriminalität wie in “Operation Rubikon” erhält der Leser von Politthrillern nicht jeden Tag. Daran ändert auch der Umstand nichts, dass der Roman keineswegs aktuell geschrieben wurde. 2004 war er erstmals bei Herbig erschienen, jetzt hat ihn Suhrkamp erneut aufgelegt. Glücklicherweise.

Andreas Pflüger: Operation Rubikon, 798 Seiten, Suhrkamp

Roland Heinrich, Leser

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