„Zeit der Finsternis“ von Malla Nunn

Im weißen Villenviertel von Johannisburg wird ein älteres Ehepaar in seinem Haus überfallen und zusammengeschlagen. Die Frau wird schwer verletzt, der Mann stirbt noch in der Nacht in der Klinik, die Tochter bleibt unversehrt, sie konnte sich verstecken vor den Tätern, die mit dem Wagen des Ehepaars geflüchtet sind. Das Mädchen gibt der Polizei Hinweise auf die Täter, die sie an den Stimmen erkannt hatte, zwei Mitschüler von ihr, zwei schwarze Mitschüler. Ihr Vater, der Direktor der Schule, ein Anglikaner-Internat, hatte die beiden an diesem Abend zum Essen eingeladen.
Zu den Beamten, die am Ort des Geschehens eintreffen, gehört auch Detective Sergeant Emmanuel Cooper, der sich nach Johannesburg hat zurückversetzen lassen, um ein Familienleben führen zu können, von dem niemand etwas wissen darf. Er lebt heimlich mit seiner schwarzen Frau Davida und ihrer gemeinsamen Tochter zusammen und muss jeden Moment fürchten, aufzufliegen. Bei einem der beiden Täter, erfährt Cooper am Tatort, soll es sich um den Sohn von Constable Samuel Shabalala handeln, seinem Kollegen, mehr noch, seinem Freund. Seine Freundschaft mit dem Zulu ist noch so ein Geheimnis, vom dem außer den beiden besser niemand etwas weiß.
Aaron Shabalala wird festgenommen, hat kein Alibi, schweigt. Für die Polizei, vor allem für Coopers rassistischen Chef, ist der Fall klar, erst recht, nachdem im Fluchtauto weiteres Belastungsmaterial gefunden wird. Cooper, der spürt, dass das Mädchen nicht die Wahrheit sagt, und feststellt, wie Beweismittel gefälscht werden, wird von den Ermittlungen ausgeschlossen. Er weiß, wenn er Aarons Kopf retten   und zugleich sein Privatleben nicht zu gefährden will, dann muss er jetzt  “auftreten wie ein  Diplomat, aber bereit sein, einen verdecktem Krieg zu führen“.

Malla Nunns vierter Roman um das Trio Emmanuel Cooper, Samuel Shabalala und Dr. Daniel Zweigmann, einen deutschen Juden, der das Konzentrationslager überlebt hat, führt mitten hinein in den Apartheidstaat Südafrika der frühen 50-er Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Unterdrückung, Kontrolle und Schikane der schwarzen Bevölkerung ist Alltag, die Rassendiskriminierung in vollem Gang, elementarste Rechte bestehen für die schwarze Bevölkerung überhaupt nicht, die Stadtgebiete sind strikt getrennt, gemischte Ehen streng verboten. Die Zustände im Apartheidstaat könne man “sehen, hören, riechen“ schreibt Verlegerin Else Laudan im Vorwort über den Roman, dem sie den  deutschen Titel “Zeit der Finsternis“ gab. Selten gab es einen treffenderen  Krimititel.

Malla Nunn. Zeit der Finsternis, 302 Seiten, Ariadne Kriminialroman

Roland Heinrich, Leser

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